17. August – Haken (Generation Weltreise: die verlassenen Eltern)

Wäsche. Feinwäsche. Die ganz feinen Sachen kommen immer in den Wäschesack. Auch die Sachen mit Applikationen die abgehen könnten kommen in den Sack.
Die empfindlichen Sachen werden im Handwasch-Schongang gewaschen, da steht die Maschine still, die Trommel dreht sich also nicht sondern es öffnen sich spezielle Klappen aus denen gelbe elektronische Gummi-Hände in den Innenraum kommen und die Wäsche schonend durchkneten.
Die maschinelle Handwäsche! Ein sehr gutes Programm.
Nein, das ist jetzt Quatsch.

Ich habe also heute Feinwäsche im Schongang gewaschen. Beim Ausräumen klemmte das letzte Säckchen. Wollte so gar nicht raus. Saß fest. Wie das?
Der Versuch, in der Trommel etwas zu sehen, scheiterte an zwei Dingen: dem fehlendem Licht und meiner Altersschwachsichtigkeit. Ich bekam meine Augen nicht nah genug an den casus knacksus. Brillentechnisch habe ich einen durch optische Korrekturen nicht abgedeckten Abstand von 30 bis 50 cm. Aber genau in diesem Fenster lag das Problem. Da hilft dann nur: Doppelbrille! Eine Lesebrille + 1,00 gestülpt über meine Optiker-Lesebrille, die die Kurzsichtigkeit nicht so stark korrigiert wie die Autofahrbrille. Kapiert? Egal. Das ist praktisch angewandte  Physik, Abteilung Optik.
Ich mache mich also zum „Sechsauge“ – zwei echte Augen mit 2 Brillen. Klappt aber auch nicht, wieder aus physikalischen Gründen: Die Brillen fallen runter wenn ich mit dem Kopf in die Trommel rein schauen will. Dazu noch eine Hand am Handy, was als Taschenlampe her halten muss und die andere Hand… .

Nächster Versuch: Intelligenz einschalten! Innere Vorstellungskraft aktivieren. Mentale Lösungen suchen.
Dazu muss erst einmal die Lage gecheckt werden: WO hängt denn da der Sack (mit was eigentlich?) DRIN?
Aha, die Trommel hat Löcher!! Stöhn, na klar. War ja logisch, das Wasser muss ja irgendwie rein und raus. Nur – im Gegensatz zu den Waschmaschinentrommeln von früher sind die Löcher inzwischen winzig klein und markieren die Spitzen einer Wabenstrucktur. Echt interesant. Da schaut man normalerweise doch nie hin.
Überlegung: wenn etwas (WAS? Der Reißverschluss vom Sack kann es nicht sein, den sieht man!) sich in so einem Löchlein festsetzt, muss es ja irgendwie REIN gekommen sein. Da ich die ganze Zeit über Textile Elemente nachdenke kommt mir der Gedanken, dass sich HINTER dem Loch ein Wulst gebildet haben könnte, der, nass geworden, aufgequollen ist und nicht mehr zurück kann – wie bei der Affen Fangmethode.

Die „Affen-lebend-Fangmethode“ geht so: Man nehme einen Baumstamm und suche eine kleine Höhle, deren Loch klein genug ist, dass eine Affenhand gut hinein geführt werden kann, aber eine Faust nicht mehr heraus kann. Dann lege man etwas sehr Leckeres in diese Höhle….

Dieser meiner Hypothese folgend denke ich, dass man das Säckchen durch Drehung hinaus winden könnte, wodurch die Wulst ausgewrungen wird und daher an Volumen verliert.
Ich drehe, und: es funktioniert, obwohl meine Hypothese völlig falsch war! Es war kein Textil, keine Wulst, die sich da festgekeilt hatte! Es war der Verschluss eines BHs meiner Weltreisenden, der ob seiner Art nicht mitgenommen wurde (er „blitzt“ schnell und das ist in Indien ein NoGo!).
Unglaublich. Das Letzte Wäschestück meiner Tochter, das meine Waschmaschine für Monate passiert, tackert sich im Innenraum der Maschine fest, will nicht raus, lässt nicht los! Das Teil war schon oft Gast in der Maschine, aber dieses Mal hat es keine Mühen gescheut, mit dem Haken erst das Säckchen zu durchbohren und dann den Metallverschluss fein säuberlich in so ein passgenaues Löchlein der Trommel ein zu führen. Sehr intelligent. Was muss dahinter für ein Willen stecken, auch eine Not vielleicht: allein gelassen und außer Funktion gesetzt – wer will das schon! So ein BH schon mal gleich gar nicht. Auch BHs haben Gefühle!

Ich habe ihn dann liebevoll zum Trocknen auf gehängt aber ihm durchaus klar gemacht, dass eine Nachsendung nicht in Frage kommt.

Jetzt schmollt er auf der Leine…

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