10. August. Nie mehr „Hänschen klein“! Generation Weltreise – die verlassenen Eltern

Zoë ist seit 10 Tagen auf Weltreise. Generation Weltreise eben.

Heute habe ich mit einigen Kindern aus unserer Straße ein wenig Musik gemacht, unter anderem das Lied „Hänschen klein“.

Das Lied kommt auf den Index. Ich ertrage es nicht.

Ein wenig Recherche aus Wikipedie: Hänschen klein – Wikipedie

Der Text beschreibt den Ablösungsprozess von der Mutter als einen Teil des Erwachsenwerdens. Aus Hänschen wird Hans.

Bildschirmfoto 2015-08-09 um 19.34.46Interessant, das Lied wurde von Franz Wiedemann (1821–1882) komponiert!

Früher war es ja üblich, dass die Jugend auf Wanderschaft ging, nur mit einem Stock und einem Bündel ausgestattet. Vor allem angehende Handwerksburschen mussten nach ihrer Gesellenprüfung auf die Walz damit sie überhaupt zur Meisterprüfung zugelassen wurden. Auf der Walt konnten sie sich bei anderen Meistern noch einige Techniken abschauen und erlernen. Heute gibt es nur noch wenige aus der Handwerkszunft, die das machen – und: einige Frauen sind mittlerweile auch dabei!

Ich habe sogar mal einen Handwerksburschen im Auto mit genommen, auf der Rückfahrt damals von der Schweiz (Heidis Berge verifizieren). Doch dann hat Zoë im Auto gekotzt, der Busche hat Reißaus genommen und ich musste mit offenem Fenster und bleichem Kindchen auf dem Beifahrersitz zur nächsten Übernachtungsstation kommen, ich glaube das war um Zürich herum.

Auf jeden Fall kam man so ins Gespräch und mir wurden einige Einblicke in das Regelwerk gegeben, was man heute mit Internet viel einfacher HIER nachlesen kann: https://de.wikipedia.org/wiki/Wanderjahre

Ich meine noch im Kopf zu haben, dass man sich als Tippelbruder nicht zu Hause melden darf, auch kein Anruf usw.

Bis dato hatte ich den Inhalt des Liedes „Hänschen klein“ nicht wirklich hinterfragt. Als Kind fand ich es doof, dass nur Jungs in die weite Welt hinein gehen durften. Vielleicht habe ich mich deshalb nie getraut!
In meiner Lila-Phase regte mich dieses Klischee der ewig „weinenden“ und jammernden Frau auf. Welches Kind mit Rückgrad würde wegen einer weinenden Mutter zurück kehren bzw. „sich besinnen“ – wie es in dem Lied heißt? Hoffentlich keines! Mütter, die versuchen, ihre Kinder mit solchen Manipulationstechniken zu einer bestimmten Handlung zu erpressen sind mir höchst zuwider! So ein Verhalten dann noch in einem Kinderlied der Jugend nahe zu bringen erschien mir eine falsche Festschreibung von typischen Gender-Verhaltensweisen, die ich nicht unterstützen wollte!

Doch jetzt reihe ich mich erhobenen Hauptes in die lange Reihe der „weinenden Mütter“, wobei diese Mütter wahrscheinlich – genau wie ich – eher in einer Zwischenwelt von Angst und Sorge sowie Stolz und Bewunderung für ihr Kind leb(t)en, was die Sache nicht undbedingt leichter macht.

Und nein, wirklich weinen tue ich nun wirklich nicht. Nur kurz, nachdem Zoë durch den Zoll ging.

Und ja, traurig bin ich schon, aber deswegen soll sie nicht zurück kommen. Sie muss selbst entscheiden!

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3 Gedanken zu “10. August. Nie mehr „Hänschen klein“! Generation Weltreise – die verlassenen Eltern”

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