06. August – Müll (Generation Weltreise – die verlassenen Eltern)

Der Müllkalender erinnert mich: Mülltonnen wollen gefüllt werden. Alle Sorten, der ganze Bahnhof, weiß, blau, grün, außer gelb!

Ich betrete das verlassene Zimmer von Zoë, ihr Duft liegt noch leicht in der Luft. Ihren Mülleimer hatte sie schon raus gestellt und viel weg geworfen: leere Stifte, zerrissene Strümpfe, Papiere. Das Zimmer ist super aufgeräumt, das Bett abgezogen, der Geigenkasten verschlossen. Sogar der Schreibtisch ist aufgeräumt. Nichts liegt herum. Gespenstisch. Demnächst werde ich wohl mal ein wenig den Feudel schwingen, nehme ich mir jedenfalls vor.

Zoë war früher nie besonders unordentlich, aber diese Aufgeräumtheit ihres Zimmers ist anders. Da hat jemand klar Schiff gemacht bevor er aufbrach. So muss wohl so sein, wenn man ein Jahr weg sein will.

Dieser Duft… noch so lebendig!

Müll machen. Da gibt es ja noch den Bad-Eimer. Ha! Den hat sie völlig überfüllt stehen gelassen. Ein ganzer Monat steckt in ihm drin (die Damen unter uns wissen, was das bedeutet!). Zwischen diesen klein gerollten „Necessaires“ finde ich fast leere Kosmetika, die wohl das Jahr über eingetrocknet wären. Gute Idee, sich jetzt schon davon zu trennen. Mit spitzen Fingern „trenne“ ich die leeren Dosen und Umverpackungen für den Gelben Sack – ich hasse mich dafür, aber ich kann nichts, was in den Gelben Sack gehört in den Restmüll schmeißen. Gelber Sack ist nächste Woche.

Meine Tochter hat seltenst sich um ihren Müll gekümmert. Aber das hat mir nichts ausgemacht! Jahrelang habe ich ihren Müll wie einen Schatz abgeholt und entsorgt: NOCH darf und KANN ich ihren Müll wegbringen. Doch eines Tages ist es damit vorbei! Und dieser Tag hat mich erreicht! Ich will nicht behaupten, dass ich davor „Angst“ gehabt hätte oder ich mich darauf „gefreut“ hätte, aber mein Job als Mutter bekommt eine andere Qualität.

Dieses Mal bin ich besonders melancholisch beim Entsorgen ihrer Lebenszeichen, denn die nächsten Müll-Monate wird es keinen Überbleibsel mehr von ihr geben!

Ich gebe es ja zu: es hat auch Vorteile ihren Müll nicht mehr wegräumen zu müssen (in meinem Denken: zu dürfen)! Ein Geschmäckle konnte ich davon schon mal bekommen, wenn mein Mann achselzuckend Zoë’s Müll einfach mit entsorgt: eigentlich ist das Kind ja alt genug! Stimmt. Da hat er recht. Man könnte sich auch gut darüber aufregen, ereifern, an die Decke gehen! Doch wozu?

Das hört eines Tages auf.

Jetzt hat es aufgehört. Es gibt keinen Müll mehr zum wegtragen oder zum aufregen. Schrecklich. Es ist vorbei!

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